
Das mach ihr einer mal nach. Eine 60-jährige Eiche in einem Stadtpark speichert 3.500 kg CO2 im Jahr, das entspricht laut Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (www.biodiversity.de) dem CO2-Ausstoß eines Mittelklassewagens mit einer jährlichen Fahrleistung von 24.000 km.
Die angestrebte Grenze von maximal 1,5 Grad durchschnittlicher Erderwärmung kann nicht mehr gehalten werden. Das ist das Ergebnis der ExtremWetterKonferenz Ende September in Hamburg.
Damit ist klar, der Klimawandel mit Hitze, Dürre und Starkregen wird Teil unserer neuen Normalität werden. Wollen wir die Folgen erträglich gestalten, sind viele Anpassungsmaßnahmen nötig. Eine davon: Bäume pflanzen.
Wenn ich einen Ersttermin bei potenziellen Kunden habe, mache ich einen Test. Ich zeige zwei Zeitschriften mit unterschiedlichen Gartenstilen. Die Kunden sollen spontan sagen, was bei ihnen starke Emotionen auslöst – positiv oder negativ.
Einige Bilder schaffen es fast immer auf die positive Seite. Es sind Bilder, die Sitzplatzsituationen unter Bäumen oder Pergolen zeigen. Instinktiv suchen wir die Nähe von etwas Behütendem oder Beschützendem. Ein Baum schenkt beides und kühlender Schatten an heißen Sommertagen als Bonus.


Wer würde es sich hier nicht gerne gemütlich machen.
Mache ich Kunden auf diesen Aspekt aufmerksam, fällt es vielen schwer, sich für einen „Hausbaum“ zu entscheiden. Ein Baum, auf einem nicht allzu großen Grundstück, geht das überhaupt? Wirft er nicht zu viel Schatten? Was ist mit dem Laub im Herbst? Sind die Wurzeln gefährlich? Die Bedenken sind vielfältig und es braucht eine sorgfältige Planung.
Andererseits sind Bäume unverzichtbar – für Stadt und Land. Ihre Bedeutung erstreckt sich weit über die Ästhetik hinaus. Sie beeinflussen unsere Umwelt, Wirtschaft und Lebensqualität. Bäume speichern Kohlenstoff und spielen eine Schlüsselrolle bei der Verlangsamung des Treibhauseffektes.
Bäume begründen grüne Oasen inmitten von Beton und Stahl. Bäume spenden Schatten und schaffen Orte der Erholung. Sie dienen als Treffpunkte und schützen vor extremer Hitze. Städte mit vielen Bäumen sind in der Regel lebenswerter und ziehen mehr Menschen an. Damit tragen Bäume zur Attraktivität von Städten bei und haben positive Auswirkungen auf den Tourismus.



Bäume sind nicht nur Klimaschützer, sondern auch wichtige Akteure im Erhalt der Biodiversität. Ihre vielfältigen Lebensräume bieten Lebensraum und Nahrung für zahlreiche Tierarten. Vögel, Insekten und andere Lebewesen finden in den Kronen und Höhlen der Bäume Unterschlupf und Brutplätze. Dieser Reichtum an Arten trägt zur Aufrechterhaltung des natürlichen Gleichgewichts in unseren Ökosystemen bei.
Herausforderungen für städtische Bäume
Trotz all dieser unbestreitbaren Vorteile sind unsere Bestände bedroht. Viele unserer heimischen Bäume stehen jetzt vor großen Herausforderungen. Luftverschmutzung, Krankheiten, neue und alte Schädlinge machen ihnen schwer zu schaffen. Wesentlicher Treiber ist der Klimawandel.
Heimische Sorten sind davon besonders betroffen. Sie haben sich in Jahrtausenden an die vorherrschende Klimasituation angepasst. Der eingetretene Klimawandel vollzieht sich zu schnell. Den Pflanzen bleibt zu wenig Zeit, um sich anzugleichen.

Das sogenannte Stadtklima schafft zusätzlich lebensfeindliche Rahmenbedingungen. Bodenversiegelung, Umweltschmutz und Gifte stressen vorhandene Bäume. Geschwächt von diesen Umweltbedingungen, werden viele krank oder sterben.
Als wäre das nicht genug, müssen zunehmend mehr Bäume weichen, um Platz für Neubauflächen zu schaffen. Zwischen 50-60 Hektar neuversiegelter Fläche entstehen in Deutschland pro Tag. Mit jedem Baum verlieren wir ein weiteres positives Kleinklima. So dreht sich die Abwärtsspirale immer schneller. Was können wir tun?
Die Stunde der Klimabäume
Wollen wir zukünftig erfolgreich Bäume pflanzen, ist ein tiefgreifender Wandel der Baumauswahl nötig. Seit geraumer Zeit finden umfangreiche Forschungen statt, die unsere heimischen Baumarten überwachen. Ziel ist, Erkenntnisse zu gewinnen, welche Sorten sich gegenüber Wetterextremen unempfindlich zeigen. So ist eine sinnvolle Neuanpflanzung möglich.
Begleitend werden Sorten anderen Kontinente getestet. Erweisen sich Baumarten als besonders robust gegenüber stark schwankenden Temperaturen, Trockenheit und Hitze, erhalten sie das Prädikat „Klimabaum“. Mittlerweile wurden Listen sogenannter Klimabäume entwickelt, die die Auswahl solcher Helden erleichtern.
Klimabäume in urbanen Gebieten
In unseren städtischen Umgebungen werden Klimabäume eine entscheidende Rolle spielen. Städtischen Gebiete werden im Vergleich zu ländlichen Gebieten übermäßig warm. Wir nennen das den Urban-Heat-Island-Effekt. Das schattenspendende Blätterdach erzeugt eine kühlende Wirkung. Unter großen Bäumen ist die Luft im Schnitt 5 Grad kühler als unter einem Sonnenschirm.
Die Umgebung unter den Bäumen wird zu dringend benötigten Orten der Erholung und Entspannung. Sie werden Energiekosten senken, die wir sonst für technische Kühlungen benötigen. Bäume schaffen zukünftig Orte der Begegnung und tragen zur sozialen Verbundenheit bei. Parks und Grünflächen fördern das Gemeinschaftsgefühl.
Klimabäume für die Landwirtschaft
Auch in der Landwirtschaft spielen Klimabäume eine bedeutende Rolle. Sie dienen als Windschutz, verhindern Erosion und helfen, die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten. Darüber hinaus bieten sie Lebensraum für nützliche Insekten, die bei der Bestäubung von Nutzpflanzen eine wichtige Rolle spielen. Ein gesundes Ökosystem mit Klimabäumen unterstützt die nachhaltige Landwirtschaft und trägt zur Ernährungssicherheit bei.
Auch Helden brauchen Unterstützung
Trotz ihrer Fähigkeit zur Luftreinigung sind Klimabäume anfällig für Luftverschmutzung. Schadstoffe aus Industrie, Verkehr und Landwirtschaft können ihre Gesundheit beeinträchtigen. Es ist wichtig, die Luftqualität in städtischen Gebieten zu verbessern und die Belastung durch Schadstoffe zu reduzieren. So gelingt es, die Vitalität der Bäume zu erhalten.
Flächenversiegelung
Die zunehmende Versiegelung von Flächen in urbanen Gebieten stellt eine ernsthafte Bedrohung für Klimabäume dar. Die Verdichtung von Bodenflächen und der Bau von Gebäuden reduzieren den verfügbaren Raum für Wurzeln. Das schränkt das Wachstum der Bäume ein. Es ist entscheidend, die Bedürfnisse von Klimabäumen bei der Stadtplanung und -entwicklung zu berücksichtigen.
Fazit
Klimabäume sind unsere grünen Helden im Kampf gegen den Klimawandel und den Verlust der Biodiversität. Sie bieten zahlreiche Vorteile, von der Luftreinigung über den Klimaschutz bis zur Bereicherung unserer urbanen Umgebungen. Doch sie stehen vor Herausforderungen, die es zu meistern gilt.
Es ist in unserem ureigensten Interesse, Bestandsbäume zu schützen und die Pflanzung von Klimabäume zu fördern. Dazu müssen wir ausreichend Platz bewahren oder durch Entsiegelung zurückgewinnen. Wir müssen neue Bäume pflanzen und pflegen. Wir müssen Luftverschmutzung reduzieren und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel unterstützen.



Danke für die umfassende Sichtweise auf die grünen Helden. Ich wünsche mir so sehr, dass bestehende Bäume erhalten und viele neue gepflanzt werden.
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