Einfach schön

Das Garten-Highlight in Hanau – Mein Favorit der offenen Gartenpforte 2023

Der Bachlauf im Garten Wölk

Jedes Jahr öffnen in ganz Deutschland ambitionierte Gartenbesitzer ihre Gartenpforte für Besucher. Mein Vorsatz für die Saison 2023 steht – diesmal schaue ich mir nur einen Garten an! In der Vergangenheit wollte ich mehr.

In den Jahren zuvor schaute ich mir immer mehrere Gärten der offenen Gartenpforte an. Als typische Vertreterin unserer Leistungsgesellschaft galt es, möglichst viel „zu erleben“. Am Ende wusste ich nicht mehr, was wo gewesen war. Das wird mir diesmal nicht passieren.

Bei der Hitze möchte ich nicht allzu weit fahren. Nach intensiverer Recherche fällt meine Wahl auf den „natürlichen Stadtgarten“ in Hanau. Die Kurzbeschreibung im Internet ist nur bedingt aufschlussreich – der Hinweis: „belebt durch freilaufendes Federvieh“ gibt den Ausschlag. Ich habe sofort ein paar Fragen im Kopf.

Das Navi führt mich zur genannten Adresse. Ich stehe vor einem Grundstück und bin verblüfft. Nichts als hoch gewachsenes Gras. Das Haus dahinter braucht auch etwas Zuwendung. „Das kann es doch nicht sein“, sage ich zu mir und kehre zurück zum Auto. Ein Blick auf die Map verrät, die Straße macht einen Bogen. Das Grundstück ist auf der anderen Seite.

Zwei Minuten später zeigt der Blick in den Vorgarten – hier bin ich richtig. 😃😍🤗. Als erstes fällt mir der Staketenzaun auf. In einem typischen Vorstadtquartier mit Siedlungs-Häusern aus den 60er ungewöhnlich. Die Zufahrt mit einer wassergebundenen Decke ist durch kleinere Beet-Flächen eingefasst.

Der Einsatz der gewählten Materialien trifft bei mir voll ins Schwarze. Umweltschonend, nachhaltig und mit dem Charme vergangener Zeiten – wohlgemerkt modern interpretiert. Liebevoll inszenierte Details begleiten den Besucher in Richtung Garteneingang. Bereits auf wenigen Metern gibt es einiges zu entdecken.

Eben noch auf offener Fläche der vollen Sonne ausgesetzt, umfängt mich der kühle Schatten eines alten Obstbaums. Meine Augen brauchen einen Moment, um sich umzustellen. Mehrere Personen stehen um eine Anrichte, im Zentrum eine Frau. Ich ahne es, ich begegne soeben der Schöpferin dieses Kleinodes.

Auf den 750 m² gibt es unglaublich viel zu sichten. Neben einer kleineren Rasenfläche ist der Garten vor allem durch Pflanzinseln geprägt. Große Gehölze geben ihm Struktur in der Höhe und spenden erholsamen Schatten. Wege mäandern mittenhindurch. Ich tauche förmlich in die Rabatten ein.

Zwei zauberhafte Metallstühle locken in Richtung Teich. Für einen Moment verweilen meine Augen auf den wunderschönen Seerosen. Als nächstes wecken die Philosophenbank und ein enorm großes Nest die Neugierde. Da muss ich näher ran. Über den Holzsteg gelange ich auf die andere Seite. Dort erhasche ich einen Blick auf das Nachbargrundstück. Es ist die Wiese von vorhin.

„Ich wollt, ich wär` ein Huhn …“

Zumindest wenn ich im Garten Wölk leben dürfte. Hinter dem Teich befindet sich das Quartier des Federviehs.  Ein riesiges Nest mit entsprechendem Gelege deuten an, wer hier das Sagen hat. Die Tiere laufen tatsächlich vollkommen frei durch das Areal. Je nach Gusto wird in der Erde gescharrt, im Schatten gedöst oder nach einem Imbiss gepickt.

Ein Huhn steht auf einem Stück Weg und schaut in die Kamera.

Wie wunderbar – Die Hühner halten Schädlinge in Schach und geben auch noch Eier! Die friedliche Stimmung wird durch das leise „boorb, boorb …boorb“ der Hennen deutlich gesteigert. Ich fühle mich ausgesprochen wohl! Aber es nützt nichts. Auch wenn es schwerfällt, ich trete den Rückzug an – ich möchte diesen Frieden nicht länger stören.

Magisch angezogen vom Geräusch lebendig, plätscherndem Wassers nehme ich den Weg zurück zum Bachlauf. Schon allein der Klang wirkt erfrischend. Wie ich später von Frau Wölk erfahre, ist es das neueste Projekt im Garten. Ich bin tief beeindruckt – der Bachlauf wirkt auf mich völlig natürlich! Beginnend vom Teich fliest er in Richtung Vorgarten.

Dem Bach folgend, entdecke ich lauschige Sitzplätze und allerlei Dekoratives. Der Staketenzaun markiert den Übergang in den deutlich schattigeren Vorgarten. Der Wechsel des Belagsmaterials auf Rindenmulch passt hervorragend zur waldnahen Bepflanzung. Weich federt er jeden meiner Schritte.

Wieder am Anfang angekommen lasse ich erstmal alles sacken. Es gibt noch den einen oder anderen Seitenweg, den ich erstmal ausgespart habe. Außerdem möchte ich die Pflanzenauswahl und -kombinationen genauer erkunden. Das nehme ich mir für Runde zwei vor. Jetzt schaue ich, ob Frau Wölk ein bisschen Zeit für mich hat.

Gleichermaßen gartenbegeistert kommen wir sofort gut ins Gespräch. Meine Bedenken, ob der Hühnermist nicht auf den Wegen stört, kann Frau Wölk entkräften. Vier Hühner machen überschaubar Mist 😉. Dieser trocknet entweder schnell ab oder wird mit Wasser ins Beet gespült. Dort wirkt er als natürlicher Dünger.

Prima, ich spiele schon länger mit dem Gedanken Laufenten in unseren Garten zu holen. Die Sorge sie könnten zu viel Dreck machen hat mich bisher abgehalten. Jetzt steht der Haltung von “Thelma und Louise” nichts mehr im Weg. 🧍‍♀️🌼🦆🦆

Zwei Laufenten gehen durch das Bild.

Wir tauschen uns noch über die wachsenden Probleme durch den Klimawandel aus. Einige Pflanzen sind nur noch mit intensiver Pflege über die Trockenphasen zu bringen – manche scheinen ganz zu verschwinden. Wir sind uns einig, dass viele Wildpflanzen gute Alternativen bieten.

Neue Besucher strömen in den Garten und verlangen Frau Wölks Aufmerksamkeit. Ich starte mit der zweiten Runde. Am Ende beglückwünsche ich mich selbst zu meiner Wahl. Schöner und inspirierender hätte der Tag nicht werden können.


2 Gedanken zu “Einfach schön

  1. Hallo Daniela,
    erst einmal Glückwunsch zum gelungenen Werk! Ein Blog der wichtige Themen anpackt und das auf heitere, lockere und doch ernsthafte Weise. Gefällt mir ausgesprochen gut und hinterlässt einen absolut professionellen Eindruck! Da werde ich öfters reinschauen.
    Das dann auch noch mein Garten so in den Himmel gelobt wird war für mich eine echte Überraschung. Sehr liebevoll und individuell geschildert aus der Sicht einer wissenden Besucherin. Vielen Dank dafür und wir sollten uns doch mal treffen, finde ich, um noch mehr Austausch zu haben.
    LG…Stephanie

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