Gamechanger – Die Macht des Einzelnen

Ein Mensch läuft über Wolken dem Horizont entgegen

Mahatma Ghandi, Greta Thunberg, Jadav Payeng und Martin Aufmuth – Was wir von Gamechangern lernen können.

Kennst Du Mahatma Ghandi oder Greta Thunberg? „Na klar“, sagst Du jetzt. „Mahatma Ghandi und Greta Thunberg kennt doch jeder.“ Ok, aber kennst Du auch Jadav Payeng oder Martin Aufmuth? Da könnte es schon schwieriger werden, richtig? Und trotzdem haben alle vier Personen etwas gemeinsam – sie sind Gamechanger.


Als Gamechanger wird eine Person oder eine Idee bezeichnet, die das herkömmliche Vorgehen radikal verändert und in der Folge umfassende Bereiche in Wirtschaft oder Gesellschaft revolutioniert. Man könnte auch sagen, Sie sind erfolgreiche Regelbrecher. Erst durch den Regelbruch schaffen sie es, Zukunft zu gestalten.


Derzeit stehen wir tagtäglich vor immer neuen Herausforderungen. Kriege, Klimawandel, Wirtschaftskrisen usw. zehren an unseren Kräften. Viele halten die vor uns liegenden Probleme für nicht lösbar. Nicht wenige verweigern die Anerkennung der Realität. Können oder wollen es nicht mehr hören. Manche suchen nach Schuldigen – wieder einmal.

Viele Menschen fühlen sich derzeit überfordert und ohnmächtig.

Sind Angst, Wut und Hilflosigkeit die einzig möglichen, weil angemessenen Reaktionen? Vieles scheint dafür zu sprechen. Und doch gibt es sie. Menschen, die in scheinbar unveränderbaren Gesellschaftsstrukturen oder vor unlösbaren Problemen nicht klein beigeben. Die unbeirrbar Ziele verfolgen und gegen jede Wahrscheinlichkeit Erfolg haben.


Was sind das für Menschen, die es schaffen, einen derartigen Einfluss auf unsere Lebenswirklichkeit zu nehmen. Was sind das für Menschen, die Grenzen überwinden und Massen bewegen. Was macht sie so besonders? Geld, Macht, Bildung?


Ghandis Ziviler Ungehorsam – was, wenn wir nicht mehr mitspielen


Mahatma Ghandi, geboren als Sohn eines politischen und sozialen Führers, studierte Jura in London. Er praktizierte kurzzeitig in Südafrika, wo er erstmals politisch aktiv wurde. Die Unterdrückungspolitik der Engländer in Indien entzündete in ihm den Ursprung seines Widerstandes.


Zurück in Indien führte er Kampagnen für die Unabhängigkeit, betonte aber stets Gewaltfreiheit. 1919 kommt es zur blutigen Niederschlagung friedlicher Proteste. Ab da greift Ghandi aktiv im Kampf um die indische Unabhängigkeit ein. In Folge wird er zwei Mal inhaftiert und insgesamt zu 8 Jahren Gefängnis verurteilt. Hungerstreiks „bis zum Tot“ und massenbewegende Gewaltmärsche zählen zu weiteren Mitteln seines Unabhängigkeitskampfes.

Bis heute verehrt – Mahatma Ghandi.

Am 3. Juni 1947 verkündet der britische Premier Clement Attlee die Unabhängigkeit Indiens. Ein unmittelbarer Erfolg des unermüdlichen Wirkens von Ghandi. Nur wenige Monate danach wird Gandhi von einem Extremisten ermordet. Sein Vermächtnis, der gewaltlose Widerstand, inspiriert bis heute weltweit.

Wenn unser Handeln das Problem ist, warum ändern wir es nicht?

Diese einfache Frage ist Antrieb und Motivation meiner nächsten Gamechangerin. Greta Thunbergs Bekanntheit begann 2018. Mit nichts als einem Pappschild demonstrierte sie vor dem schwedischen Parlament. Ihre Forderung: wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel. Die Medienlandschaft rückte zunächst ihren „Autismus“ in den Vordergrund. Allzu gerne wollte man sie als hilfloses und naives Mädchen abstempeln.

Unterstützung erfuhr sie zunächst in der eigenen Generation. Die Erkenntnis, dass die Handlungsweise unserer konsumorientierten Gesellschaft ihre zukünftige Lebensgrundlage zerstört, brachte Millionen auf die Straße. Innerhalb nur eines Jahres wurde daraus die Initiative „Fridays vor Future“ – eine weltumspannende Bewegung.

Von vielen anfangs belächelt, gelingt es Greta Millionen weltweit zu mobilisieren.

Seit fünf Jahren reden Greta und ihre Mitstreiter auf internationaler Bühne mit, und den Verantwortlichen ins Gewissen. Unser Bewusstsein für unsere Umwelt und der Diskurs darüber erfuhr einen ungeheuren Schub. Die gewonnenen Erkenntnisse, verlangen das grundsätzliche Umdenken der breiten Mehrheit. Eine Transformation mit offenem Ausgang.

Einfach machen – Jadav Payeng

Jadav Payeng, auch als „Molai“ bekannt, ist ein Umweltschützer aus Indien. Als 16-jähriger entdeckte er nach einer Überschwemmung unzählige tote Reptilien. Todesursache war Überhitzung. Auf den sich ausbreitenden Sandbänken gab es keine Bäume, die kühlenden Schatten hätten spenden können.

Jadav Payeng pflanzt einen Setzling

Jadav Payeng – The Forest Man of India
Für Molai eine Initialzündung. Alarmiert kontaktierte er in den 1970ern das Forstamt. Sein Gesuch um Unterstützung wurde abgewiesen. Stattdessen wurde ihm empfohlen, etwas Bambus anzupflanzen. Ohne formale Ausbildung begann er, eine öde Sandbank am Fluss Brahmaputra zu bepflanzen. Er setzte auf einfache, aber effektive Mittel.

Anfangs pflanzte er Bambus, dann Samen von Bäumen. Das Saatgut sammelte er in den nahe gelegenen Wäldern. Payeng bewässerte die Setzlinge regelmäßig und schützte sie vor Tieren. Um das ökologische Gleichgewicht zu stabilisieren, siedelte er sogar Ameisen um. Seine Methode beruht auf natürlicher Regeneration und dem behutsamen Umgang mit der Umwelt.

Das Cover des Kinder-Buches, welches die Geschichte von Molay beschreibt.

Das Kinderbuch „Jadav and the Tree-Place“ basiert auf dem außergewöhnlichen Leben Payangs

Repainting the world in its green – Die Welt wieder grün färben

Über die Jahre hinweg hat er so einen riesigen Wald geschaffen. Eine 550 Hektar große Waldlandschaft – größer als der Central-Park in New York. Der „Molai Forrest“ schützt den Boden vor Erosion und bietet bedrohten Tierarten Zuflucht.

In einem Interview befragt, erklärt Molai er wird Bäume pflanzen, bis er stirbt. Trotz mangelnder finanzieller Ressourcen und Unterstützung setzte er seine Bemühungen fort. Darüber hinaus wünscht sich Molai, dass jeder Mensch zwei Bäume in seinem Leben pflanzt. Damit könnte jeder die Sauerstoffversorgung für sein Leben sichern. Ganz sicher eine zu lösende Aufgabe.

Problem erkannt …

Martin Aufmuth war ein Mathematik- und Physiklehrerund Erfinder der EinDollarBrille. Klingt erst mal nicht besonders aufregend. Spannender wird es, wenn man weiß, dass diese Brille für unzählige Menschen in Entwicklungsländern die Chance auf ein besseres Leben ist. Dazu mussten gleich mehrere Probleme gelöst werden.

Martin Aufmuth

Martin Aufmuth „stolperte“ über eine Studie der WHO aus dem Jahr 2019. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass ca. 950 Millionen Menschen eine Brille benötigen. Die allermeisten sich diese aber nicht leisten können. Infolgedessen finden diese Menschen keinen Zugang zu Bildung und Arbeit. Armut und Existenzbedrohung gehen Hand in Hand.

Für Martin Aufmuth war dieses Problem eine Herausforderung, der es sich zu stellen galt. In monatelanger Tüftelarbeit entwickelte er zuerst einen Prototyp. Materialwert 1 US Dollar. Danach suchte er nach einer Möglichkeit, die Brillen ohne Strom herstellen zu können. Nur so war eine breite Versorgung in den entlegensten Regionen denkbar.

Die Lösung ist ein unscheinbar wirkender Holzkasten. Dahinter verbirgt sich eine Biegemaschine, die völlig stromlos Draht in die gewünschte Form bringt. Die vorgeschliffenen Brillengläser werden vor Ort ausgewählt und eingeklickt. Fertig.

Die Genialität steckt in der Einfachheit. Geringe Investitionskosten und Stromunabhängkeit, damit ist die Biegemaschine überall einsetzbar.

Doch das ist nicht das Ende der Geschichte. Martin Aufmuth ist auch Gründer der Organisation „EinDollarBrille e.V.“. Diese Organisation hat mit Augenärztinnen und Optikern ein 1-jähriges Ausbildungskonzept entwickelt. Menschen vor Ort erhalten die Möglichkeit, sich als GoodVision Technicians ausbilden zu lassen.

Die darin qualifizierten Mitarbeiter sind in der Lage, zuverlässig Sehtests durchzuführen und Sehstärken zu bestimmen. So entstehen vor Ort Arbeitsplätze mit Perspektive. So sichern lokale Produzenten die Versorgung zu fairen Preisen. Es geht um mehr als Brillen – Chancen, Stabilität, eine bessere Zukunft.


Kommen wir auf das anfangs beschriebene Gefühl der Ohnmacht zurück. Vermutlich hatte keine(r) meiner vier Gamchangern eine Vorstellung, wohin ihr/sein Weg sie/ihn führen würde. Es gab keine große Lobby, die den Weg geebnet hätte. Sie haben sich aus ihrer Ohnmacht befreit und sind ins Tun gekommen. Der Rest ist Geschichte.

Falls Du das Konzept von Martin Aufmuth unterstützen möchtest. Weitere Informationen findest Du unter dem Link:

https://www.eindollarbrille.de/


2 Gedanken zu “Gamechanger – Die Macht des Einzelnen

  1. Danke für die tollen Beispiele. Ich bin traurig, dass ich nicht auch so konsequent etwas vorangetrieben habe. Nur viele kleine Dinge, die ich nicht mehr tue, seit ich weiß, dass das nicht gut ist . Angefangen beim Mülltrennen, über weniger Textilien kaufen, kein Essen wegwerfen und und…hoffe ich, dass auch meine kleinen Aktionen etwas bewirken.

    Mach weiter so!!

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