Die Gärtnerei Gaißmayer – Mein Quell der Inspiration

Auf einem Schild steht: Der Garten ist der letzte Luxus unserer Tage, denn er forder das, was in unserer Gesellschaft am kostbarsten geworden ist: Zeit, Zuwendung und Raum.

In Deutschland gibt es viele gute Gärtnereien. Eine ist und bleibt für mich führend. Hier die Gründe, warum ich immer wieder an diesen Ort zurückkehre.

Wenn ich etwas an der Staudengärtnerei Gaißmayer zu kritisieren hätte, dann, dass sie in Illertissen liegt und nicht in Maintal. Wäre letzteres der Fall, würde ich bestimmt schon seit Jahrzehnten zum Mitarbeiterstamm zählen.

Das Schicksal hat es anders vorgesehen und so stolperte ich in einer Zeitschrift 2010 das erste Mal über den Namen. Anlässlich des 30-jährigen Firmenjubiläums der Gärtnerei wurde über Dieter Gaißmayer und sein Unternehmen berichtet.

Ich erinnere mich an das Foto zweier Laufenten. Hintereinander her watschelnd spähte die eine links, die andere rechts in die angrenzenden Beete. Das Bild war zum Schießen. Ein weiteres Foto zeigte einen freundlich lächelnden Mann. Wirklich gefesselt hat mich dann das Interview. Damals noch absolut untypisch, sprach Dieter G. von biologischem Anbau, standortgerechter Auswahl und Vielfalt.

Dieter Gaißmayer ein echter Pionier der biologischen Pflanzenzucht

Dieter Gaissmayer lächelt in die Kamera.

Dieter Gaißmayer in der damaligen Zeitschrift

Jede Zeile sprühte förmlich vor Begeisterung und dem Wunsch, Wissen zu vermitteln. Nicht dozierend oder verkäuferisch, sondern ehrlich und pragmatisch. Mir war klar, hier spricht ein Überzeugungstäter und Enthusiast. Die Bilder der Gärtnerei taten ihr Übriges – ich wusste, da muss ich hin. Es dauerte Jahre, bis aus Wunsch Wirklichkeit wurde.

Zwischenzeitlich hatte ich mich als Gartenplanerin selbstständig gemacht. Statt durch die Pflanzanlagen toller Gärtnereien zu lustwandeln, brütete ich über Konzeptentwürfen & Co. Spätestens bei der Pflanzplanung landete ich zuverlässig auf der Website der Gärtnerei Gaißmayer. Nirgendwo sonst gab es ein derart vielfältiges Angebot, umfassende Informationen und Kombinationsvorschläge.

Durch Dieter Gaißmayer inspiriert, verfolge ich immer das Ziel, die perfekte Pflanze für Standort und Pflanzpartner zu finden. Damit habe ich schon so manchen Garten- und Landschaftsbauer zur Verzweiflung gebracht. Viele der ausgewählten Sorten sind über ihre üblichen Quellen nicht zu beziehen. Sorry ihr Lieben, aber da müsst ihr durch!

Ein Pflanzplan mit Angabe zu Standort, Anzalund welche Pflanzen.

Sorgfältige Planung ist die Basis für funktionierende Beete

Glücklicherweise versendet die Gärtnerei auch ihre Schätze. So gelingt es am Ende doch, die eine oder andere Staude über diesen Weg zu besorgen. Ergebnis sind ungewöhnliche Pflanzkompositionen und Vielfalt, die über viele Jahre funktionieren.

Kraut & Krempel – eines von vielen Veranstaltungshighlights

2017 war es endlich so weit. Die Veranstaltung „Kraut & Krempel“ lieferte mir den passenden Anlass einen Ausflug nach Illertissen zu unternehmen. Auf den idyllisch gelegenen Jungviehweiden angekommen, erwarteten uns unzählige Händler mit Trödel und Antiquitäten. Es war eine wahre Lust, alles zu durchstöbern.

Der Name ist Programm: Gras und Krempel. Unzählige Aussteller säumen den Weg zur Gärtnerei. Regen ist für niemanden ein Problem.

Mit dem Schritt durch den Eingang der Gärtnerei gelangten wir danach an einen ganz besonderen Ort. Nachhaltigkeit und Ökologie sind hier nicht nur leere Worthülsen, sondern gelebte Praxis. Mehr als 2.500 Staudensorten werden unter den rauen Bedingungen der Region kultiviert. Die Pflanzen bezeugen durch außerordentliche Qualität und Robustheit.

Durch die Wiederverwendung von Behältnissen und den Einsatz recycelbarer oder kompostierbarer Materialien arbeitet das Unternehmen konsequent am Ressourcenschutz. Vor Ort trifft man auf Mitarbeiter, die fachkundig beraten und bereitwillig ihr Wissen teilen.

Alles kann noch mal wiederverwendet werden. So entstehen nachhaltige und kreative Gärten mit einzigartigem Charme.

Und dann ist da noch das Mutterpflanzenquartier: Mit Hingabe, Liebe und Geduld ist ein Refugium entstanden, das Seinesgleichen sucht. Hier kann man die angebotenen Pflanzen am richtigen Standort in voller Pracht erleben. So erhält der Besucher Einblick, wie viele Pflanzen er benötigt und welche für seine Rahmenbedingungen passen.

Laufenten-Alarm – hier haben Nacktschnecken keine Chance

Zum Gärtnerei Team gehört auch eine Gruppe Laufenten. Zwei ihrer Vertreter habe ich damals auf dem Cover der Zeitschrift gesehen. Unermüdlich inspizieren sie die Beetflächen nach übermäßigem Insektenbefall. Biologischer Pflanzenschutz: „As it´s best.“ Ich bin auf der Stelle schockverliebt.

Ein Gruppe von Laufenten unterwegs auf dem Gärtnereigelände

Ebenso bestechend, schafft es D. Gaißmayer grundsätzliche Fehlentwicklungen in der grünen Branche zeitnah zu identifizieren und zu benennen. Genial seine Beschreibung der fehlgeleiteten Idee der Schottergärten. Für Dieter Gaißmayer ein „Gartenverhinderungsprogramm!“

Gerade gibt er im Zusammenhang mit dem fortschreitenden Klimawandel direkte Empfehlungen zur Verwendung von Präriestauden. Wohlwissend, dass die Anpassung unserer Gärten unumgänglich sein wird.

Das Mutterpflanzenquartier überwältigt mit Fülle und Vielfalt.

Als wäre das nicht schon genug, überrascht die Gärtnerei mit einem eigenem Gartenmuseum. Dieter Gaißmayer und sein Team verstehen sich auch als Förderer der Gartenkultur. So war es beinahe unausweichlich, die Idee eines eigenen Museums der Gartenkultur zu verfolgen. Ganz im Sinne „das Alte bewahren, um das Neue zu finden“, gewähren Ausstellungen Einblicke in gelebte Gartenkultur. Wer es ruhiger mag, genießt das Angebot der Gartenbibliothek.

Eigentlich ist in der Gätrtnerei immer etwas los. Jährlich wiederkehrend finden Kraut & Krempel (Frühjahr) und Gras & Krempel (Herbst) statt. Aber auch Vorträge zu ausgewählten Themen, Workshops und Märkte führen den Besuchern durch das Gartenjahr. Gerne begleitet durch Musik und kulinarische Highlights.

Dieter Gaißmayer wäre nicht er, hätte er nicht auch die harmonische Übergabe seines großartigen Erbes bedacht. Eine neue Generation führt seit ein paar Jahren nach den gleichen Werten die Gärtnerei weiter. Davon durften wir uns bei unserem Besuch im letzten Jahr überzeugen.

2024 stehen alle Veranstaltungen unter dem Thema Klimaanpassung

Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Respekt vor der Schöpfung, prägen weiterhin die unternehmerischen Entscheidungen. Alle Kräfte werden zurzeit gebündelt, um Antworten für den sich vollziehenden Klimawandel zu finden. Sicherlich werden wir dazu wertvolle Tipps von hier bekommen.

In der Gärtnerei selbst wurden bereits Klimaanpassungsmaßnahmen umgesetzt und weitere gesucht. So bleibt dieser Ort eine Wohltat für Mensch und Natur. Ich merke schon, ich muss bald wieder hin. Bis dahin stille ich die Sehnsucht mit einem Rundflug über die Gärtnerei. Bist du einmal in der Nähe von Ulm, dann schau vorbei. Es lohnt sich!


2 Gedanken zu “Die Gärtnerei Gaißmayer – Mein Quell der Inspiration

  1. Hallo Daniela,
    diese Staudengärtnerei finde ich auch klasse. Leider zu weit weg! In unserer Gegend gefällt mir die Gärtnerei „Kustermann“ in Gründau am besten. Kleines Areal, doch der Chef besticht durch sein Fachwissen und die Pflanzenauswahl ist gut.
    Auf meiner Agenda steht die Firma „Spatz“, in Oberhausen (Bayern). Ein Biolandbetrieb und Mitglied bei Naturgarten e.V. Riesen Auswahl an heimischen Wildstauden. Da fällt mir noch die Firma Strickler in Alzey ein, doch die wirst Du sicher kennen.
    LG…Stephanie

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  2. Hallo Stephanie,

    danke für das Teilen Deiner Empfehlungen.

    Natürlich macht es grundsätzlich Sinn,
    regionaler einzukaufen, wann immer möglich.
    Aber wenn man das Herz verliert, nimmt man manches in Kauf ;-).

    Kustermann hatte ich noch nicht auf dem Schirm, aber die Philosophie gefällt mir sehr!
    Da werde ich bestimmt mal vorbeischauen.

    LG
    Daniela

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