Mirko hat Angst – Laubbläser die tödliche Gefahr

Eine Comiczeichnung zeigt einen Mann mit einem Laubbläser auf einer Wiese. Im Hintergrund sitzen ein Mann und eine Frau im Gras.

Foltermaschine oder unerlässliches Werkzeug. Sollten wir Laubbläser verbieten?

Seidenweich streichelt die Luft über meine Haut – das Fenster ist weit geöffnet. Der Altweibersommer beschert uns kühle Nächte und warme Sonnenstunden. Aus meiner Tasse steigt der Duft frisch gebrühten Kaffees. Ein Stück Apfelkuchen wartet darauf verzehrt zu werden – so lässt es sich arbeiten.

Ich genieße die friedliche Stimmung. Die Finger gleiten wie von allein über die Tastatur. In Erinnerung bin ich bei meinem letzten Besuch der Gärtnerei Gaissmayer in Illertissen. Plötzlich katapultiert mich das nervende Dröhnen eines Laubläsers aus meiner Gedankenwelt. Oh Gott, jetzt geht das los – genervt schließe ich das Fenster.

Die traumhafte Atmosphäre ist dahin.  Auf dem Weg zurück zum Schreibtisch fällt mein Blick auf Mirkos Terrarium. Nanu, eben saß er noch friedlich dösend auf seiner Margerite. Jetzt scheint er verschwunden. Ich gehe näher heran und entdecke in versteckt hinter den Blütenblättern. Seine Augen sind panisch weit geöffnet. Das Klopfen seines kleinen Herzens bringt seinen Chitin Panzer zum Beben. 

Mirko sitzt auf einem Margeritenblatt und sagt: "Hi!"

Mirko auf einem Margeritenblatt

Vorsichtig komme ich noch etwas näher. Mirko versteckt sich sofort noch tiefer in seiner Margerite. Jetzt bin ich alarmiert – so hat er sich noch nie verhalten. „Mirko“ flüstere ich, bemüht ihn nicht noch mehr zu erschrecken. „Mirko, was ist denn?“ Mirkos kleiner Kopf kommt ein kleines bisschen mehr zum Vorschein. Er versucht etwas sagen, aber er bringt keinen Ton hervor. 

Ich ziehe den Stuhl heran und setzte mich direkt vor das Terrarium. „Mirko, wovor hast du solche Angst? Willst du es mir nicht sagen? Ich will dir gerne helfen.“ Mirko bebt am ganzen Körper. Sein Blick schießt wild zwischen mir und dem Fenster hin und her. Schließlich entfährt ihm ein schrilles: „Da, daaa“. Schon verschwindet er wieder hinter der Blüte. 

Mirko hat Todesangst

Langsam beginne ich zu begreifen. „Mirko, meinst du das Geräusch? Was ist damit? Du hast doch sonst keine Angst vor lauten Geräuschen?“ ich bin ratlos. Mirkos kleines Gesicht taucht wieder auf. Heftig nickend blickt er mich flehend an. „Tu das weg! Bitte, bitte!“ 

Einen kurzen Moment bin ich amüsiert: „Aber Mirko das ist nur ein Mann mit einem Laubbläser. Der ist draußen und kommt hier nicht herein. Schau das Fenster ist zu“ Ich stehe auf, um ihm zu zeigen, dass alles fest verschlossen ist.  Da hält ein markerschütternder Schrei mich zurück: „Neeeein“ 

Ein Mann mit einem Laubbläser.

Schlagartig wird mir klar, hier geht es um mehr als Lärm. Ganz langsam setze ich mich wieder hin. Aus Mirkos Augen quilt eine große Träne. Sein Kopf ist tief gesenkt. Mir zerreißt es das Herz meinen kleinen Freund so zu sehen. Sanft puste ich die Margerite an, in der Hoffnung, dass ihn das Schaukeln beruhigt. 

Nach einer Weile lässt das Zittern nach. Auch der ohrenbetäubende Lärm des Laubbläsers ist verstummt. „Mirko,“ flüstere ich vorsichtig „erzähl mir, warum du solche Angst hast? Was ist passiert?“

Plötzlich sprudelt es aus ihm heraus: “Fort! Sie sind alle fort. Meine Familie, meine Freunde. Der Wind, sie konnten sich nicht festhalten. Sie haben geschrien und ich konnte nicht helfen. Als das Geräusch weg war, habe ich sie gesucht, aber niemand war da“. Wieder quilt eine Träne aus seinem Auge. Ich würde ihn gerne ihn den Arm nehmen und trösten, leider ist er viel zu klein. 

Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Klar, der Lärm der Laubläser nervt mich. Deswegen habe ich schon eine Petition unterschrieben. Die Konsequenzen für die Insekten habe ich bisher noch nie bedacht. Jetzt schäme ich mich richtig. 

Käfer grabbeln über Herbstlaub auf dem Boden.
Insekten überwintern unter Laub. Der Kraft eines Laubbläsers können sie nicht Stand halten.

Nach einer Weile der Stille fragt Mirko unvermittelt: „Daniela, warum macht der Mann das?“ Ich hole tief Luft. Was kann ich darauf antworten?  Es ist nicht nur der eine Mann, es sind viele. Laubläser sind ein beliebtes Werkzeug. Sie werden jeden Herbst zu Hunderttausenden verwendet. Im Straßenverkehr und in Gärten.  

Ich überlege kurz und entschließe mich Mirko die Wahrheit zu sagen. Er ist mein Freund und ich will ihn nicht belügen. „Aber warum?“ Mirko klingt fassungslos. „Ihr Menschen sagt, ihr mögt uns Insekten. Ihr sagt ihr braucht uns und legt Blumen Wiesen für uns an. Ihr baut sogar Insektenhotels für uns.“ 

Wir haben den Wert der Insekten erkannt, aber wir handeln nicht immer danach.

Ich erkläre Mirko, dass viele Menschen versuchen das Richtige zu tun. Kostet das aber mehr Geld oder bedeutet mehr Arbeit, dann entscheiden sie anders. Laubbläser räumen viel schneller Laub aus dem Weg, als ein Mensch mit einem Rechen. Deshalb benutzen viele diese Geräte. 

Mirko blickt traurig zu Boden. Schließlich fragt er leise: „Daniela, benutzt Du einen Laubbläser?“ Ich drehe vorsichtig die Margerite zu mir und schaue Mirko in die Augen: „Mirko, ich verspreche Dir, ich werde niemals einen Laubbläser benutzen. Dann habe ich eine Idee. „Mirko, wir erzählen allen, die wir kennen, was Dir passiert ist. Vielleicht benutzen dann weniger Menschen diese Geräte.“

Das Zeichen für Laubbläser verboten.

Plötzlich wird mein kleiner Freund ganz aufgeregt: „Au ja und können wir auch Plakate malen und sie überall aufhängen. Dann wissen noch viel mehr Menschen Bescheid.“ Die Margerite schwankt bedenklich „Das ist eine super Idee“ lobe ich Mirko.  Ich bin froh, dass mein Freund nicht mehr so traurig ist. 

Mirko mein Maskottchen kann nicht wirklich reden. Könnte er, würde seine Geschichte so oder so ähnlich klingen. Hier ein paar Fakten:

Laubbläser machen unseren Straßenverkehr sicherer. Insbesondere im Herbst sind sie Bestandteil einer effizienten Reinigung der öffentlichen Bereiche. Das Entfernen von Laub entlang der Straßen macht Verkehrsschilder, Markierungen und Fußgängerüberwege sichtbar.

Bei ihrem Einsatz sind jedoch auch Umweltaspekte und Lärmschutz von großer Bedeutung.  Insbesondere in Gärten ist der Gebrauch kritisch zu betrachten.  Laubsauger und Laubbläser belasten die natürlichen Lebensbereiche von Kleinstlebewesen wie Insekten. Die intensive Luftbewegung und das Aufsaugen von Laub schwächen oder zerstören ihre Lebensräume.

Gut zu wissen:

Das Laub, das auf dem Boden liegt, bietet Lebensraum und Nahrung für viele Kleinstlebewesen. Zersetzendes Laub verbessert die Bodenbelüftung und den Nährstoffgehalt des Bodens. Wird es entfernt, beeinträchtigt dies die ökologische Balance im Garten.   

Kleinsäuger wie Mäuse und Igel finden in Laubhaufen Unterschlupf und Nahrung. Ohne Laub finden die Tiere weniger Nahrung und können sich nicht verstecken. Gerade Igel leiden besonders darunter.

Fazit

Um den negativen Einfluss auf Kleinstlebewesen und Kleinsäuger zu minimieren, sollten umweltfreundlichere Praktiken in Betracht gezogen werden. 

Dies umfasst:

•   leise und emissionsarmen Geräte verwenden

•   das Kompostieren von Laub 

•   die Schaffung von Laubhaufen für Tiere  

Bereits der selektive Einsatz solcher Maßnahmen hilft. Statt das gesamte Laub zu entfernen, bleibt es bis zum Frühling in Teilbereichen liegen. Dies hilft Lebensräume für Kleinstlebewesen und Kleinsäuger zu erhalten. Mit diesen Praktiken minimieren wir negative Auswirkungen auf die örtliche Tierwelt.


2 Gedanken zu “Mirko hat Angst – Laubbläser die tödliche Gefahr

  1. Applaus, Applaus, Applaus….
    genauso sehe und empfinde ich dieses herbstliche Getöse, das die Männerherzen höher schlagen lässt! Ein Nachbar hat einmal zu mir gesagt: es muss stinken und Krach machen, dann macht die Arbeit Spaß!
    Armer Mirko, ich denke er wird sich in dieser Jahreszeit für immer verstecken müssen, ich sehe keine Einsicht bei den Laubbläser Spezialisten!
    Liebe Daniela, Du schreibst wunderbar und bringst die Themen auf den Punkt! Trotz schwerer Kost verstehst Du es mit einer individuellen Herangehensweise die Dinge zu beschreiben. Kreatives schreiben scheint Dein Markenzeichen zu sein!
    LG…Stephanie

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  2. Liebe Stephanie,

    was für ein wunderbares Kompliment.
    Vielen, vielen Dank dafür.

    Das Talent hat sich erst spät gezeigt, aber erfüllt mich sehr.
    Ich hoffe, ich kann noch viele unterhaltsame und inspirierende Momente bereiten.
    Und wer weiß, vielleicht bewege ich doch den einen oder anderen zum Umdenken.

    Frei nach dem Motto: Jeder kleine Schritt zählt!

    Dir eine gute Zeit.
    LG Daniela

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