
Aus Laub wird kostbarer Kompost – Sammy lässt es vorsichtshalber nicht mehr aus den Augen
Kompost ist das Gold des Gärtners. Spätestens im Herbst scheinen viele von uns das vergessen zu haben. Warum Pflegeleichtigkeit und Nachhaltigkeit niemals richtige Freunde werden.
Ich liebe den Prozess der Gartenplanung. In vielfacher Hinsicht ähnelt er einer Reise. Dazu erforsche Ich die Wünsche und Sehnsüchte meiner Kunden. Begebe mich auf fremdes Terrain. Wir schwelgen gemeinsam in Erinnerungen, betrachten inspirierende Fotografien. Vor unserem geistigen Auge entstehen nachhaltige Oasen.
Meine Fantasie läuft auf Hochtouren. Unzählige Ideen – 1000 Möglichkeiten. Rahmenbedingungen werden abgeklopft. Wie hoch ist das Budget? Wie die zeitlichen Vorstellungen – alles auf einmal oder Zug um Zug? Erste Bilder entstehen im Kopf. Mein Herz klopft etwas schneller, Endorphine breiten sich aus – die Reise hat begonnen.



Garten(t)räume wie diese stehen bei vielen Gartenbesitzern hoch im Kurs
„Frau Müller, der Baum da muss aber weg! Der macht nur Dreck!“ Autsch – unsanft werde ich aus dem wohligen Gefühl des Gleichklangs und der Euphorie gerissen. Eben gerade noch glaubte ich mich mit den neuen Kunden seelenverwandt – Jetzt das.
Die Rede ist von einem stattlichen Laubbaum. Ich finde ihn großartig. Der Kunde belehrt mich eines Besseren: „Also im Herbst kommen wir dem Laub gar nicht hinterher! Immer dieser Dreck auf dem Rasen! Das kann man nicht einfach liegen lassen.“ – Alle Blicke ruhen erwartungsvoll auf mir.
Da ist guter Rat teuer
Ich stelle immer wieder fest: Viele Menschen träumen von einem schönen Garten. Beschattete Sitzplätze, blühende Rabatten und selbstgezogenes Gemüse dürfen nicht fehlen. Insektenfreundlich, voller Leben, naturnah und nachhaltig soll es sein. Beispielbilder werden im Netz und aus Zeitschriften rausgesucht.
Unmittelbar danach kommt die nächste Anforderung: Aber bitte pflegeleicht! Schließlich will man den Garten doch genießen. Was auf den vorher gezeigten Bildern nicht zu sehen war, ist die Arbeit, die dahintersteckt. Fleißige Hände haben nicht nur gepflanzt und geschnitten. Es wurde gegraben, gewässert und im besten Fall auch kompostiert – immer wieder!

Guter, das heißt gesunder Boden ist vergleichbar mit dem Fundament eines Hauses. Er speichert Wasser, versorgt Pflanzen mit Nährstoffen und gibt Halt. Nur mit ihm kann ein Garten langfristig gedeihen. Der Einsatz von Düngemitteln ist dagegen keine wirkliche Alternative. Ohne Bodenanalyse sogar gefährlich: Überdüngung und vergiftete Gewässer sind mögliche Gefahren.
Damit diese kostbare Erde überhaupt entstehen kann, braucht es den Prozess der Verrottung. Abgestorbene Pflanzenteile werden von Insekten und Bakterien zerkleinert und umgewandelt. Dazu braucht es die Arbeit von unzähligen kleinen Helfern im Erdreich. Nur durch diese Pflege und Erneuerung des Bodens ist dauerhaft gesundes Wachstum überhaupt möglich.



Guter Wille allein reicht nicht
Ich möchte nicht einfach die rote Karte ziehen – Laubbäume mit einem Stammumfang von über 25cm darf man nicht ohne weiteres fällen! Viel zu oft werden trotzdem Tatsachen geschaffen. Wo ausreichend Geld ist, schrecken auch möglichen Strafen nicht. Besser also überzeugen!
Ich versuche also mein Glück und kläre über die Vorzüge großer Bäume auf: „Schatten im Sommer, Staubfilterung und Sauerstoffproduktion. Während der kalten Jahreszeit profitieren Pflanzen, Tiere und Insekten von der schützende Laubschicht. Außerdem ist Laub die ideale Basis zum Kompostieren – körperliche Betätigung an der frischen Luft gratis!“ füge ich augenzwinkernd hinzu.
„Kann ich den Kompost nicht einfach über einen Händler beziehen?“ fragt mein Kunde. Er wirft sich seine Sporttasche über: „Sorry, ich muss zum Training! Aber den Rest können Sie ja mit meiner Frau besprechen.“ Diese ist gerade damit beschäftigt das gekaufte Insektenhotel aufzuhängen. Am Straßenrand steht die übervolle Biotonne und ich denke: Hier ist noch viel zu tun.



Gartenarbeit ersetzt so manches Workout. Das anfallende Schnittgut und Laub eigenen sich hervorragend zur Kompostierung. So wird der natürliche Kreislauf geschlossen. Laubhaufen, die über den Winter liegen bleiben, dienen vielen Kleinsäugern wie Igel als Unterschlupf.